Über meine Arbeit
Eigentlich ist wirklich nichts an einem Bild von mir selbst ausgedacht. Zuerst gibt es die Atmosphäre eines Ortes. Dann versuche ich mir die Farben, die dort vorkommen zu merken, und auch die Linien. Eher die, von denen ich denke sie sind mitverantwortlich für diese Stimmung, als die, die entscheidend sind für die Konturen der Dinge.
Warum die Atmosphäre eines Ortes interessant ist, ist, finde ich, schwer zu klären. Möglicherweise weist sie die Spuren einer Geschichte auf. Die Geschichte klärt sich nicht auf, aber ihre Präsenz ist unleugbar. Die Erzählung passiert mit nichtsprachlichen Mitteln und die Malerei belässt sie da, nur dass sie jetzt ausstellt, was vorher Teil von allem war.
Ich denke oft, die Malerei ist längst da, eigentlich absurd jetzt auch noch anzukommen. Aus diesem Grund habe ich mich in den letzten zwei Jahren auch darauf verlegt, beim Arbeiten vor Ort meine Malerei als etwas Angefügtes zu sehen. Etwa in der Art wie man ein Buch mit Anmerkungen versieht, wenn man gar nicht nach etwas Bestimmtem sucht, sondern bloß unbedingt hervorheben will, dass einem ein Gedanke gut gefällt.
Bei Bildern, die im Atelier entstehen ist es anders. Ich arbeite dann in einer Art Gesprächssituation mit dem Material, das ich einsetze. Es handelt von dem Ort oder der Situation in meiner Einnerung, dem Einsatz der Mittel und meiner Haltung im Moment der Ausführung.
Einsatz der Mittel und Haltung sind eng miteinander verknüpft. Es gibt in meiner Arbeit einen ökonomischen Aspekt, der das Mass der Leere in einem Bild verhandelt, sowie verschwenderische Handlungen am Bild zulässt. Die entsprechenden Haltungen dazu sind sehr verschieden und es gibt alle Facetten dazwischen, so dass ein Bild häufig aus mehreren Lagen von Haltungen besteht.
Im Gegensatz zum Einsatz des Begriffes der Ökonomie in der Wirtschaft, wo Sparsamkeit und Verschwendung aus kapitalistischer Sicht angesehen werden, führt die Anwendung des Begriffes im Zusammenhang mit der künstlerischen Produktion zu befreienden (von dieser Sicht freigestellten) und außerdem humorvollen Behauptungen (ähnlich wie in der Liebe). Ohne Motivation stehen diese Haltungen auf einmal als Behauptung ohne gestern und morgen da.
Meine Arbeit ist beeinflusst von Morandi, wenn ich ab und zu an diese Malerei - Absurdität denke. Er löst diesen Widerspruch für mich ohne Umweg auf. Den Dingen ist etwas wesenhaft zueigen, das zu zeigen, ist immer sensationell.
..von Cy Twombly, von Isa Genzkens Umgang mit Material, von Andy Warhols Haltung zur Produktion, von Michel Majerus, von Sergej Jensen, Tarkowskij, F.C. Ware, dem Album DMDKIULIDT ... den Arbeiten und Haltungen meiner Freunde!
vom künstlichen Licht, Verwahrlosung, Müll, Brachland, Parkdecks, Häuserwänden, Wald, Rost, Schimmel, Wasserflecken, Meer.
Ich nutze im Wesentlichen die Mittel der Malerei und der Zeichnung. Das Zeichnen ist mir vertrauter, weil ich es viel länger mache und nicht groß bedenke. Zeichnung kommt teils auf Einzelblättern vor, teils in Serien, die dann einer narrativen Idee folgen. Daraus enstehen dann Hefte ("Coyote" 2010, "The mysterious thing" 2009,...) Wenn ich direkt in einem Raum arbeite, male ich auf Papier und plakatiere es in den Raum hinein, oder ich male direkt auf Wände und Böden. Ich nutze Ölfarbe, Acrylfarbe, Acrylllack, Bleistift, Marker, Pastellkreide, Dispersionsfarbe. Für Installationen im Raum bringe ich mir ausserdem einen Koffer voller Material mit, dass ich zuvor zusammengesammelt und teilweise weiterbearbeitet habe (z.B Papier von der Strasse, Filz, Teppich, in Streifen geschnittene Bilder von mir selbst, aus dem Netz, aus Zeitungen oder Zeitschriften..Müll eigentlich) und kombiniere es mit dem Material, das ich vor Ort finde. Es werden so dann auch objekthafte Arbeiten Teil der Installation. Ihnen ist gemein, dass sie als Fortsetzung der malerischen Handlungen entstehen.
Meine Lieblingsarbeitssituation ist im Ausstellungsraum selbst, der nicht notwendigerweise Galerieraum sein muss. Idealerweise kann ich dort ein bis zwei Wochen verbringen mit einer Auswahl von mitgebrachten Arbeiten, Werkzeug, Farben und dem schon erwähnten Koffer. Dann ist meistens genügend Zeit die Bedingungen des Ortes zu kennen und darauf zu reagieren.
LW 2011
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About my work
There's nothing made up by myself in a picture of mine really. First there is the atmosphere of a place. Then I try to memorize the colours and lines that occur there. Not so much the lines being responsible for the contours of things, but the ones that underline the certain mood of the place.
How comes that the atmosphere of a place is interesting to me, I find hard to put into words. Possibly it bears the traces of a story. The story might not get fully comprehensible, but there's no doubt about its presence. It's a story working with non-verbal means, my work leaves it in this sphere, but helps to display what has been part of everything before.
It often strikes my mind, that the painting has already been done when I arrive - how absurd really to try to copy it. This is the reason why I started to regard my painting as something added. Like the way one would mark a part of text in a book when not looking for something specific, but just because these thougts seem interesting and good, something you wouldn't want forget.
It's different with pictures that I produce in my studio. I work in a conversational situation with the material that I use then. The conversation is about the place or the situation (the parts that I kept in mind), the charge of means and my attitude in the moment of the action.
Charge of means and attitude are entangled with each other. There's an economical aspect in my work, dealing with the amount of emptyness and the letting go of wasteful moves in a picture. The corresponding attitudes are of varying types and there are all kinds of facets in between, so that a picture consists of serveral layers of attitudes.
In contrary to using the term of economy in a market - based context, where canniness and wastefulness are regarded from a capitalistic point of view, the use of the term in the field of art production leads to liberating and sometimes even humourous statements (like in the field of love). Without motivation these attitudes become statements that neither refer to yesterday nor tomorrow.
My work is influenced by the painter Morandi, when I sometimes think about the absurditiy to paint. He ends this contradiction abruptly to me: Things bear their characteristcs deeply in themselves, showing that, will be sensational at all times... by Cy Twombly, by Isa Genzken's method to handle material, by Andy Warhol's attitude towards the production of art, by Michel Majerus, Sergej Jensen, Tarkowskij, F.C. Ware, the record DMDKIULIDT by the austrian band "Ja, Panik!"....by the works and attitudes of my friends.
by artificial light, dilapidation, garbage, waste land, parking decks, house walls, forest, rust, mold, water stains and the sea
I mainly use the means of painting and drawing. Drawing is closer to me then painting for I've been doing that long before, the drawing does the thinking itself somehow. I draw on single papers or in series. Series usually follow a narrative idea and I bundle the drawings coming out of that to leaflets ("Coyote" 2010, "The mysterious thing" 2009,...) In case of working directly in the exhibition space, I paint on paper and then plaster it over walls and floors. I use oil colours, acrylics, graphite, marker, oil pastels etc.
For an installation in situ, I also bring a suitcase full of material with me, that I have collected beforehand and partly rehandled. For example paper I find in the streets, felt, bits of carpets, paintings of mine cut in stripes, images from the internet, from newspapers and magazines.. By arrival I combine them with the material I find in the place. This is how objects become part of my work too, they materialize as a consequence of the painting.
My favourite working situation is in the exhibition space itself, which isn't necessarily a gallery space. Ideally I have one or two weeks time there together with the work I brought, tools, paint and the suitcase I mentioned. I examine the conditions of the place then and react on them.
LW 2011
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aus:
MONOPOL
Magazin für Kunst und Leben
Nr. 8/2009 August
Watchlist: Line Wasner
von Daniel Schreiber
An römische Hauswände erinnern sie, die Bilder von Line Wasner, mit ihren vielfachen Übermalungen und der fast zufällig wirkenden Komposition. Man muss an die Bildsprache des abstrakten Expressionismus denken, an Cy Twomblys farbberauschte Kritzeleien oder Willem de Koonings Gestenreichtum: Von ihnen hat die 32-jährige Berlinerin, die an der Weimarer Bauhaus-Universität und an der Glasgow School of Art Kunst studiert hat, ihre Maltechniken inspirieren lassen.
Anfangs schuf Wasner Porträtzeichnungen – unter anderem von Angela Merkel, als diese Kanzlerin wurde. Die Linien dieser Arbeiten wirken so, als wollten sie mit aller Macht ihre beschreibende Funktion sprengen. Sowohl die Bewegung zur Malerei als auch die Entwicklung zur Abstraktion sind den Werken hart abgerungen. Minutiös kann man nachverfolgen, wie die Künstlerin versuchte, immer mehr zu reduzieren, so lange, bis die Bilder nicht trotzdem, sondern wieder funktionierten.
<p>Am deutlichsten tritt Wasners malerische Souveränität in „Emmi's room“ hervor, ihrem Zyklus aus den vergangenen beiden Jahren. Emmi ist eine imaginäre Figur, wie die Künstlerin sagt, ein hilfreiches Konstrukt. Die Leinwände stellen die Spuren ihres vergangenen Lebens dar. Ein kleiner Kopf verbirgt sich hinter leuchtenden Farbflächen, die wie abgerissene Tapetenfetzen wirken. Minimale, fast kindliche Linien erstrecken sich in die vielen Abstufungen des Weiß des Hintergrunds. Prekär und feminin wirkt das und verneigt sich vor den klassischen Vorbildern, ist aber zugleich weit von ihnen entfernt.
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Über die Bildserie "Emmi's room"
von Korvin Reich
2010
Allerletzte Spuren
oder: Was von einem Leben übrig bleibt
Eine Wohnung übergeben. Besenrein. Der Umzug hat bereits stattgefunden, die Räume sind leer. So gut wie leer. Was sich in diesem Zustand der Wohnungs-Auf-Lösung noch anfindet, ist hartnäckig: Reißzwecken, Staubnester, Kleingeld, mumifizierte Fliegenkörper.
Zeugen eines längst über-lebten Daseinsabschnitts, wertlos, sich nun demaskierend als Müll und Schmutz, überall anders, überall gleich. Es scheint ebensoviel Mühe zu kosten wie der Umzug selbst, auch die allerletzten Spuren zu beseitigen.
Die Bilder Line Wasners vom Zyklus „Emmi’s Room“ zeugen von diesen hartnäckigen Spuren eines Lebens oder Lebensabschnitts, Zeichen, die sich überall ähneln, Chiffren sind, aber dennoch, verborgen und gleichzeitig unverblümt, auf Geschichten verweisen.
Die Chiffren auf den Bildern zeigen diesen Charakter des Zeichenhaften und Geheimnisvollen, des immer Unfertigen, Flüchtigen. Der Raum, nachdem die Gegenstände fort sind, verwe(a)ist noch immer auf deren verlorene Gegenwart und befindet sich somit im Bereich zwischen gegenständlich und raumhaft-abstrakt.
Die Dinge, die sich noch finden, irgendwann unter einen Schrank gefallen und vergessen, sind nun zweck-los und gleichsam ins Form-lose übergehend.
Auch Wände sind solch stumme Lebenszeugen: Risse, die alte Tapeten zum Vorschein bringen, helle Bilderschatten, ein alter Werbekalender, Aufkleber, Flecken. Nach der Maueröffnung gab es im Ostteil von Berlin viele fast fluchtartig verlassene Altbau-Wohnungen, in deren Wände sich nicht nur ein unbekanntes Leben, sondern auch eine nun nicht mehr existente Staatsform eingegraben hat.
Line Wasners Bilder erzeugen den gleichen Eindruck unkenntlich gewordener Individualität, von Fremdartigkeit, von Verlassenheit. Sie erwecken die Illusion, beredt von vergangenen Lebensgeschichten zu erzählen, doch dieser Impuls bleibt irgendwo im leeren Raum und läuft sprichwörtlich ins Leere.
Die Arbeiten zu „Emmi’s Room“ sind Zeugen, die keine mehr sind: Die Vergänglichkeit ist nun einmal unerbittlich.
Doch hin und wieder lässt sich vermeintlich eine deutlichere Spur der Leere abtrotzen und man beginnt, Geschichten und Träume zu suchen, Zusammenhänge, sich offenbarende Geheimnisse.
Und durch die Hintertür hinein spaziert auf einmal Emmi, als wäre sie nie fort gewesen, unmittelbar in einer Existenz, die doch machtlos ist gegen den unaufhaltsamen Strom der Zeit.